Hildur ist die Tochter von Djásn von Homberg und Ögri von Federath, eine wunderschöne kleine Fünfgangstute mit einem kämpferischen Geist.
Sie kam am 12. Juli auf die Welt.
In der Woche vorher wurden im Nachbarort Schafe vom Wolf gerissen, deswegen hatte ich kein gutes Gefühl, die Stute auf der Viehweide abfohlen zu lassen und wir holten Djásn gemeinsam mit Drift, die leider nicht tragend ist an den Hof. Hier dachten wir ein Auge drauf haben zu können.
An diesem Sonntag stand Djásn of separat, so dass wir eigentlich damit rechneten, dass sie bald fohlt. Es kam Heu, wir schauten hin und wieder hoch, sie stand immer noch an ihrem ausgesuchten Platz…
Abends dann die Aufregung: Djásn hatte gefohlt, kein Fohlen zu sehen!
Es stand unter einem Anhänger neben der Koppel!
Regelrecht eingekeilt, so dass die Kleine mit Kraft und drei Leuten umgeworfen und unter dem Anhänger heraus gezogen werden musste!
Sie war trocken (bei 30 Grad nicht unbedingt verwunderlich), wollte aber auch nachdem wir die zur Mutter brachten, nicht dort bleiben und ging direkt wieder durch den Zaun.
Mutter und Tochter mussten in die Box!
Hier zeigte sich, dass das Fohlen kein Interesse am Euter der Mutter hatte, es stand eher in der Ecke und nuckelte an der Wand…
Lea und ich versuchten es anzuhängen, was nur sehr mühsam bis gar nicht funktionierte, ich holte eine Spritze, damit man abgemolkenes Kolostrum direkt verabreichen konnte. Gleichzeitig wurde die Tierärztin gerufen, denn das war alles andere als NORMAL!
Diese kam sehr schnell, das Fohlen bekam noch mal 100 ml Kolostrum eingeflösst, eine Antibiose und hochdosiert Vitamin B, was aus schulmedizinischer Sicht die einzige Möglichkeit ist, ein Fohlen mit Fehlanpassungssyndrom zu behandeln.
FEHLANPASSUNGSSYNDROM: Letztes Jahr hätte ich noch überhaupt nichts damit anfangen können! Anfang des Jahres bekam ich über Facebook einen Post zu „Dummyfoals“ vorgeschlagen, ich fand das spannend und habe mich etwas reingelesen… Dem Algorithmus sei dank, wurde ich immer wieder daran erinnert…
Es gibt eine Wickeltechnik, mit der das Fohlen (ähnlich wie bei Kaiserschnittkindern das pucken) praktisch noch einmal den Geburtsvorgang erlebt, sich niederlegt und wieder aufsteht…
Ich fragte die Tierärztin, was sie davon hält, ob wir es versuchen wollen, denn die Kleine stellte sich immer wieder mit dem Kopf in die Ecke, legte sich aus Schwäche kurz nieder, um dann wieder hektisch aufzuspringen. es war unglaublich belastend das so zu sehen!
Mit einer Longe, in der Aufregung habe ich keine Wollbandage gefunden, wickelte Claudia das Fohlen in einer bestimmten Art ein, dieses legte sich kurz hin und als der Zug der Longe gelockert wurde, stand es diesmal ruhig wieder auf!
Die Ecke war auch danach noch sein Safeplace, aber mehr konnten wir nicht tun!
Ich traf mich dann alle zwei Stunden mit meiner Nachbarin Franzi, mit der ich die Stute abmolk und dem Fohlen die Biestmilch verabreichte. Um halb fünf war klar, das Fohlen geht an die Mutter und säuft selbständig. Nun lag die Kleine auch mitten in der Box, die Ecke wurde nicht mehr benötigt.
Um halb sieben trafen wir uns dann das letzte Mal, diesmal ohne einzuwirken, denn nun war auch die Geduld von Djásn erschöpft: es ist ihr Fohlen, das nun keine menschliche Hilfe mehr benötigt! Zuvor hatte die Stute alles, was gemacht wurde, sehr ruhig zugelassen, als hätte sie gewusst, dass es ohne unsere Hilfe nicht gut werden wird.
Ein kleine Lungenentzündung, die aber mit weiterer Antibiose schnell im Griff war, folgte. Und am nächsten Tag durften Mutter und Tochter zum ersten Mal auf die Weide. Hier zeigte sich was in Hildur steckt, die diesen Namen eigentlich nur bekommen hat, weil sie so ums Überleben kämpfte…
Ich sag nur: Willkommen in der Welt WILDE HILDE!
Ich bin unsagbar dankbar allen, die mich unterstützt haben, denn wenn man gerade selbst aus gesundheitlichen Gründen stillgelegt ist, braucht es Menschen, die einem Helfen!
Danke liebe Natascha für alles was Du tust!
Danke liebe Lea für deine Expertise, die nicht nur bei Kühen funktioniert!
Danke Thorsten, denn ohne Dich hätten wird Hilde nicht aus ihrem Versteck bekommen!
Danke liebe Franzi, dass Du Dir fürs Fohlen die Nacht um die Ohren geschlagen hast!
Vielen Dank liebe Claudia, dass es noch Tierärzte wie Dich gibt!
Nun ist sie angekommen, die kleine Hilde!
Den Namen hätte ich mir eventuell noch mal überlegen sollen, denn offensichtlich ist hier wieder Nomen est Omen…
Ich hatte aber das Gefühl, auch wenn sie es nicht schafft, hat sie das Recht auf einen Namen und da war Hildur der richtige!







